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Aus- und Weiterbildungskosten

Aufwendungen für die eigene Berufsausbildung oder Weiterbildung in einem nicht ausgeübten Beruf?

Die Kosten für eine Berufsausbildung sind laut § 10 Absatz 1 Ziffer 7 des Einkommensteuergesetzes mit Einschränkungen abzugsfähig.

Bei den Sonderausgaben für die Aus- oder Weiterbildung in einem nicht ausgeübten Beruf ist stets die Abgrenzung zu den Fortbildungskosten in einem bereits ausgeübten Beruf zu beachten. Die Aufwendungen, die Fortbildungskosten darstellen, sind als Werbungskosten oder Betriebsausgabe zu erfassen.

Die genaue Abgrenzung ist insbesondere wegen der Begrenzung auf 920 EUR bzw. 1.227 EUR bei auswärtiger Unterbringung wichtig. Die Fortbildungskosten (Werbungskosten) sind in ihrer Höhe nicht dieser Begrenzung unterworfen.

Der Erwerb von Kenntnissen, die als Grundlage für einen auszuübenden Beruf notwendig sind, vollzieht sich im Bereich der Ausbildung. Hierdurch entstehende Aufwendungen gehören grundsätzlich als Ausbildungskosten zu den Kosten der privaten Lebensführung und sind daher nur im Rahmen der Sonderausgaben absetzbar.

Im Gegensatz hierzu stellen Fortbildungskosten, d.h. Kosten, die bedingt sind durch eine Weiterbildung in einem ausgeübten Beruf, um in diesem Beruf auf dem laufenden zu bleiben und den jeweiligen Anforderungen gerecht zu werden, abzugsfähige Werbungskosten dar.

Berufsausbildungskosten sind regelmäßig nur solche Aufwendungen, die in der erkennbaren Absicht gemacht worden sind, auf Grund der erlangten Ausbildung eine Erwerbstätigkeit auszuüben. Dies führte der Bundesfinanzhof in seinem Urteil vom 17.11.1978 - BStBl 1979, Teil II, Seite 180 - aus. Es ist jedoch nicht entscheidend, ob es dann auch wirklich zur Ausübung dieses Berufs kommt. Eine gewisse Wahrscheinlichkeit sollte jedoch gegeben sein.

Der angestrebte Beruf muß nicht innerhalb bestimmter bildungspolitischer Zielvorstellungen des Gesetzgebers liegen. Die Ausbildung zu einer verbotenen, strafbaren oder verfassungswidrigen Tätigkeit ist dagegen keine Berufsausbildung im Sinne des § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG (so BFH-Urteil vom 18.12.1987 - BStBl 1988, Teil II, Seite 494).

Aufwendungen für die Weiterbildung in einem nicht ausgeübten Beruf können nach § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG ebenfalls als Sonderausgaben berücksichtigt werden, wenn sie nicht vorweggenommene Betriebsausgaben oder Werbungskosten darstellen (BFH-Urteil vom 24.8.1962 - BStBl 1962, Teil III, Seite 467).

Diese grundsätzliche Unterscheidung zwischen Fortbildung (Werbungskosten) und Ausbildung (Sonderausgaben) reicht in vielen Fällen allein nicht aus, wenn die in der Ausbildung befindlichen Personen während der Ausbildung Bezüge, z.B. Unterhaltszuschüsse oder Beihilfen, auf Grund eines zum Zwecke der Ausbildung eingegangenen oder fortbestehenden Dienstverhältnisses erhalten und diese Bezüge steuerpflichtige Einnahmen darstellen. Sind diese Bezüge Arbeitslohn, können die im Rahmen eines solchen Dienstverhältnisses entstandenen Aufwendungen für die berufliche Bildung Werbungskosten sein, wenn

  • der in der Ausbildung befindlichen Person während der Zeit der Ausbildung steuerpflichtige Einnahmen im Rahmen eines gegenwärtigen Dienstverhältnisses zufließen,
  • das Dienstverhältnis zum Zwecke der Ausbildung besteht und
  • das Dienstverhältnis im wesentlichen Maße durch die Ausbildung geprägt wird.

Einige Abgrenzungsbeispiele:

  • Bildungsaufwendungen, die Beamtenanwärtern in Zusammenhang mit ihrem Dienstverhältnis entstehen, sind keine Ausbildungskosten, sondern Werbungskosten.
  • Die einem Berufssoldaten durch die Teilnahme an einem Bildungslehrgang an einer Bundeswehrfachschule entstandenen Aufwendungen sind keine Werbungskosten, sondern Sonderausgaben (Zulassung von Unteroffizieren zur Laufbahn der Offiziere des Truppendienstes).
  • Aufwendungen eines Chemielaboranten für den Besuch einer Ingenieur-Fachschule mit dem Ziel, graduierter Chemieingenieur zu werden, sind Sonderausgaben (BFH-Urteil vom 10.12.1971 - BStBl 1972, Teil II, Seite 254).
  • Kosten zur Erlangung der Doktorwürde sind Ausbildungskosten (Sonderausgaben), und zwar auch dann, wenn die Doktorprüfung erst nach Eintritt in das Berufsleben abgelegt wird (BFH-Urteile vom 7.8.1967 - BStBl 1967, Teil III, Seite 777 und 789, und vom 10.12.1971 - BStBl 1972, Teil II, Seite 251).
  • Aufwendungen eines Hochbauingenieurs, der an einer Hochschule Architektur studiert, sind Ausbildungskosten (Sonderausgaben), und zwar auch dann, wenn er bereits vorher mit den Tätigkeiten eines Architekten befaßt war (BFH-Urteil vom 24.7.1973 - BStBl 1973, Teil II, Seite 817).
  • Aufwendungen eines Kaufmannsgehilfen für den Besuch einer Höheren Wirtschaftsfachschule, um graduierter Betriebswirt zu werden, sind Sonderausgaben (BFH-Urteil vom 29.5.1974 - BStBl 1974, Teil II, Seite 636).
  • Aufwendungen für ein berufsintegrierendes Erststudium an einer Fachhochschule mit dem Ziel, den Hochschulgrad eines Diplom-Betriebswirtes (FH) zu erwerben, sind Ausbildungskosten (Sonderausgaben) (BFH-Urteil vom 28.9.1984 - BStBl 1985, Teil II, Seite 94).
  • Aufwendungen eines Referendars für die zweite Staatsprüfung sind keine Kosten der Berufsausbildung, sondern Werbungskosten.
  • Aufwendungen eines Volksschullehrers aus Anlaß eines Studiums an einer Pädagogischen Hochschule mit dem Ziel, die Qualifikation eines Sonderschullehrers zu erwerben, sind Fortbildungskosten (Werbungskosten).
  • Kosten für die Erlangung des Führerscheins der Klasse III dienen regelmäßig der Allgemeinbildung und sind deshalb grundsätzlich nicht abziehbar (BFH-Urteil vom 5.8.1977 - BStBl 1977, Teil II, Seite 834).
  • Der Begriff der Aus- oder Weiterbildung schließt auch den Besuch von kurzen Tages- und Abendkursen ein, die der Aus- oder Weiterbildung dienen (z.B. Kurse oder Seminare bei der Volkshochschule). Zur Berufsausbildung gehört auch die berufliche Umschulung, die zu einer anderen beruflichen Tätigkeit befähigen soll.

    Zu den abziehbaren Aufwendungen gehören nicht nur die unmittelbaren Ausbildungs- oder Weiterbildungskosten

    • Schul-, Lehrgangs- und Studiengebühren,
    • Aufwendungen für Lernmaterial, Fachbücher, ...
    • sondern auch
    • Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und Ausbildungs- oder Weiterbildungsstätte und
    • Mehraufwendungen, die durch eine auswärtige Unterbringung im Sinne des § 10 Abs. 1 Nr. 7 Satz 2 EStG entstehen.

    Bei Benutzung eines eigenen Kraftfahrzeugs oder Fahrrads zu Fahrten zwischen Wohnung und Ausbildungs- oder Weiterbildungsstätte kann der Wert angesetzt werden, der auch für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte zu berücksichtigen ist.

    Zum Begriff der auswärtigen Unterbringung wird auf die Bestimmungen zum Ausbildungsfreibetrag (Abschnitt Ausbildungsfreibetrag) verwiesen. Dort wird unter anderem der Begriff "auswärtige Unterbringung" erläutert.

    Unterhält der Steuerpflichtige am bisherigen Wohnort keinen eigenen Hausstand, so können Kosten der auswärtigen Unterbringung und Verpflegung zum Zwecke der Berufsausbildung oder Weiterbildung in einem nicht ausgeübten Beruf nicht als Sonderausgaben nach § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG berücksichtigt werden (BFH-Urteil vom 21.8.1974 - BStBl 1975, Teil II, Seite 79).

    Erhält der Steuerpflichtige zur unmittelbaren Förderung seiner Ausbildung oder Weiterbildung steuerfreie Bezüge, mit denen Aufwendungen zur Ausbildung im oben genannten Sinne abgegolten werden, so entfällt insoweit der Sonderausgabenabzug (BFH-Urteil vom 4.3.1977 - BStBl 1977, Teil II, Seite 503). Das gilt auch dann, wenn die zweckgebundenen steuerfreien Bezüge erst nach Ablauf des betreffenden Kalenderjahrs gezahlt werden. Aus Vereinfachungsgründen ist eine Kürzung der für den Sonderausgabenabzug in Betracht kommenden Aufwendungen nur dann vorzunehmen, wenn die steuerfreien Bezüge ausschließlich zur Bestreitung der Ausbildungskosten bestimmt sind, z.B. Leistungen für Fortbildungsmaßnahmen nach § 45 AFG oder Leistungen für Lern- und Arbeitsmittel nach § 4 der Verordnung über Zusatzleistungen in Härtefällen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz.

    Gelten die steuerfreien Bezüge dagegen ausschließlich oder teilweise Aufwendungen für den Lebensunterhalt - ausgenommen solche für auswärtige Unterbringung - ab, z.B. Berufsausbildungsbeihilfen nach § 40 AFG, Unterhaltsgeld nach § 44 AFG, Leistungen nach §§ 12 und 13 BAföG, so sind die als Sonderausgaben geltend gemachten Berufsausbildungs- und Weiterbildungsaufwendungen nicht zu kürzen.

    Die Aufwendungen sind auch dann für das Kalenderjahr abzuziehen, in dem sie geleistet worden sind, wenn sie der Steuerpflichtige mit Darlehensmitteln bestritten hat (BFH-Urteil vom 10.12.1971 - BStBl 1972, Teil II, Seite 250).

    Aufwendungen zur Tilgung von Studiendarlehen gehören nicht zu den abziehbaren Aufwendungen für die Berufsausbildung (BFH-Urteil vom 15.3.1974 - BStBl 1974, Teil II, Seite 513), wohl aber Zinsen für ein Ausbildungsdarlehen, auch wenn sie nach Abschluß der Berufsausbildung gezahlt werden.

    Im Gegensatz zu den Kalenderjahren vor 1997 können bei Benutzung eines eigenen Kraftfahrzeugs zu Fahrten zwischen Wohnung und Ausbildungs- oder Weiterbildungsstätte keine 0,30 EUR mehr je Fahrtkilometer berücksichtigt werden. Es sind ab 1997 nur noch die Pauschalen wie bei den Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte (0,30 EUR / Entfernungskilometer; 0,30 EUR für die ersten 10 KM) abzugsfähig.

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